Gastartikel von Sönkes Schwester: Geheimnisse indischer Küche + weiße Bohnen in Spinatsoße

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Wir freuen uns riesig, dass Sönkes Schwester Maike als “Indienexpertin” der Familie ein Rezept für unsere Blogpause beigesteuert hat. In ihrem Gastartikel verrät sie auch einige Geheimnisse der indischen Küche:

Seit ich in Indien war, koche ich gerne indisches Essen. Mein indischer Mann freut sich natürlich sehr darüber, dass er nicht immer das für ihn „geschmacklose“ europäische Essen essen muss. Und ich esse es nicht nur selber gerne, sondern habe auch jede Menge Spaß am Gewürze mischen.
Weiße Bohnen in Spinatsoße
Da die indische Küche ungefähr so facettenreich ist wie die europäische (ich höre hier schon die Beschwerden: „Man kann doch schwedisches Essen nicht mit Spanischem vergleichen!“ – aber genauso fühlen sich Inder, wenn wir die Küche Kashmirs mit der Keralas in einen Topf werfen), suche ich regelmäßig in Kochbüchern nach neuen Ideen und bin einmal auf eine Vielzahl leckerer Gerichte gestoßen – alle mit Fleisch 🙁 . Wir sind keine Vegetarier, essen aber selten Fleisch. Nach einigen Tagen Überlegen kam mir eine Idee, wie ich die leckeren Soßen ausprobieren kann, ohne deswegen Fleisch zu essen: weißes Fleisch – weiße Bohnen, rotes Fleisch – rote Bohnen. Die dicken weißen Bohnen oder auch Augbohnen (die weißen mit dem schwarzen Fleck) schmecken mild und cremig, Kidney- oder Wachtelbohnen eher kräftig und entsprechen damit weißem bzw. rotem Fleisch.
weiße Bohnen
Meine Hülsenfrüchte weiche ich immer über Nacht ein und koche sie am nächsten Morgen im Drucktopf. Meist lasse ich weiße Bohnen 10 Minuten kochen und nehme sie dann vom Herd, lasse den Druck aber nicht ab. Sie kochen dann noch ein Weilchen weiter.

Um Bohnen und andere Hülsenfrüchte besser bekömmlich zu machen, gießt man am Besten das Einweichwasser weg, kocht sie in frischem Wasser vor und gießt auch das Kochwasser weg. Wer mag, kann auch noch die Hülsenfrüchte nach dem Einweichen und/oder Vorkochen abspülen.

Außerdem gilt: je kleiner die Hülsenfrüchte, desto weniger blähend. Rote Linsen gelten als am Besten verträglich.

Außerdem gibt es da noch die indische Zauberwaffe: Asiafotida.
Asiafotida ist eine Wurzel wie Ingwer oder Kurkuma. Auf Deutsch wird sie „Teufelsdreck“ genannt, auf Hindi „Hing“. Es ist das Gewürz, das indischem Essen (und indischen Restaurants und den Kleidern der Inder im Bus und meinen Haaren nach dem Kochen) den typischen „indischen“ Geruch verleiht. Beschrieben wird der Geruch und Geschmack meist als „knoblauchartig“.

Verkauft wird Asiafotida in Asialäden oder auch in Bioläden mit einer ayurvedischen Ecke. Oft ist es gestreckt mit Weißmehl oder Kurkuma, weil es so intensiv ist. Wegen des Kurkumas wird es auch manchmal als „Yellow powder“ verkauft.

Wenn Ihr es das erste Mal verwenden, nehmt nur eine Messerspitze. Wenn man sich daran gewöhnt hat, kann man auch mehr nehmen. Die Verträglichkeit von Hülsenfrüchten oder Kohlgerichten erhöht sich dadurch sehr und nachdem ich es eine Weile benutzt habe, finde ich es inzwischen richtig lecker.

Zu den indischen Öl-Mengen: Indisches Essen wird meist mit viel Öl oder Ghee gekocht. Mit richtig viel. Als ich das erste Mal meiner indischen Schwiegermutter beim Kochen zugesehen habe und sah, wie viele gehäufte Esslöffel Ghee sie in den Topf gab, bin ich fast vom Stuhl gefallen. Und dabei heißt es, dass die meine Schwiegermutter vergleichsweise fettarm kocht!

In indischen Töpfen steht das Fett also gut und gerne mal einen halben Zentimeter. Warum das so ist, habe ich im Laufe der Zeit bei meinen indischen Kochexperimenten gelernt: Je mehr Fett im Topf ist, desto leichter lassen sich die Gewürze frittieren, ohne dass sie anbrennen und desto „indischer“ schmeckt es. Ich koche trotzdem mit etwas weniger Fett und nehme lieber Abstriche im Geschmack in Kauf.

Dieses Gericht basiert auf relativ wenig verschiedenen Gewürzen. Im Vordergrund stehen der frische Knoblauch und Ingwer. Solltet ihr die trockenen Gewürze nicht alle einzeln zur Hand haben, könnt ihr auch ein wenig Currypulver verwenden. Es bleibt bei diesem Gericht ohnehin im Hintergrund.
Zutaten

Weiße Bohnen in Spinatsoße

2 Portionen
100 g getrocknete weiße Bohnen
1 – 2 Zwiebeln
2 – 3 Knoblauchzehen (oder 4 – 5 kleine Knoblauchzehen)
5 cm frischer Ingwer
Öl oder Ghee zum Anbraten
1 TL Korianderpulver
1 TL Kreuzkümmelpulver
1/2 TL Garam Masala
1 Messerspitze Asiafotida
Chili nach Geschmack
450 – 500 g Spinat (frisch oder gefroren)
Salz nach Geschmack
optional: 2 – 3 EL Crème fraîche oder Joghurt

  1. Weiße Bohnen über Nacht (oder morgens) in kaltem Wasser einweichen. Am nächsten Tag (bzw. abends) das Einweichwasser abgießen und die weißen Bohnen in frischem Wasser zum Kochen bringen. Dann bei kleiner Hitze ca. 1 Stunde (laut Packungsanleitung) weich kochen lassen. Das Kochwasser abgießen. Alternativ: Eingeweichte Bohnen im Drucktopf 10 Minuten kochen lassen, vom Herd nehmen und den Druck nicht ablassen. Sie kochen dann noch ein Weilchen weiter.
  2. Nachdem die Bohnen gegart sind, die Zwiebel(n) fein hacken und in Öl ca. 1 Minute anbraten. Dann den Knoblauch und Ingwer klein schneiden und hinzufügen. Wer mag kann auch den Knoblauch quetschen und den Ingwer reiben.
  3. Wenn auch der Knoblauch und der Ingwer kräftig zu duften beginnen (der Knoblauch darf sich gerne etwas bräunen), die Gewürze hinzufügen.
    Da zu diesem Zweitpunkt alles schnell gehen muss, damit nicht die eine oder andere Zutat zu kräftig angebraten wird, bereite ich diesen Schritt vor, indem ich alle Gewürze in eine kleine Tasse abmesse, bevor ich den Herd anstelle. So habe ich alles beieinander, wenn ich es brauche und kann die Gewürze gleichzeitig in die Pfanne geben.
  4. Wenn die Gewürze anfangen am Boden zu kleben (bei wenig Fett) oder genauso riechen, wie man es lecker findet (bei viel Fett), gibt man den Spinat und die vorgekochten Bohnen hinzu und kocht das Ganze, bis der Spinat gar ist.
  5. Zum Schluss salzt man nach Geschmack und wer mag, kann noch ein wenig Crème fraîche oder 2 – 3 Esslöffel Joghurt hineinrühren.

Liebe Maike, herzlichen Dank für deinen Gastartikel und dein indisch-inspiriertes Rezept! Das Gericht ist schnell gekocht und herrlich aromatisch. Als Beilage essen wir gerne Vollkorn Basmati Reis. Maike hat für ihr Rezept extra bekannte Gewürze ausgewählt, so dass ihr die Bohnen in Spinatsoße leicht nachkochen könnt, ohne euch bergeweise neue Gewürze zulegen zu müssen. Wir sind gespannt, wie es euch mundet und freuen uns über Rückmeldungen.

10 Kommentare

  1. Liebe Maike,
    danke für das spannende Rezept. Ich finde es interessant, dass Du so viele Fleischlastige Rezepte in der indischen Küche gefunden hast. Ich habe ein Kochbuch, welches nur vegetarische indische Gerichte enthält und die Autorin hat darin beschrieben, dass es in ihrer Familie einfach normal war, sich vegetarische zu ernähren. Habe daraus immer geschlussfolgert, dass dies in Indien viel weiter verbreitet wäre als hier, aber ehrlich gesagt, habe ich mich noch nie so richtig damit beschäftigt.

    Liebe Melanie, lieber Sönke,
    schönes neues Foto habt ihr! Ich wollte Euch mal ein Lob aussprechen für die Auswahl Eurer Gastautoren. Es sind wirklich einige schöne, abwechslungsreiche Gerichte dabei. Natürlich freue ich mich schon sehr darauf, wenn ihr Beide selbst wieder so richtig loslegt. Aber ihr scheint ja gerade einiges um die Ohren zu haben: Umzug, Familienvergrößerung, GbR Gründung und vermutlich noch viele weitere spannende Projekte 😉

    Liebe Grüße
    Stephie

    • Liebe Stephie,
      es ist wahr, dass in Indien viel mehr Menschen vegetarisch leben als bei uns in Europa – angeblich etwa 80%, wobei die Tendenz sinkend ist.
      Dementsprechend gibt es natürlich auch viele rein vegetarische indische Kochbücher. Mein Neustes hat, wie gesagt, viele Fleischgerichte. Da die Gewürzmischungen so umwerfend sind, wollte ich es aber trotzdem unbedingt haben… 😉
      Liebe Grüße,
      Maike

  2. Spannend. Auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen.
    Seit ich im Schottland-Urlaub vor einigen Wochen ganz viel indisch essen war hab ich auch begonnen wieder mehr indisch zu kochen. Bei Fleischrezepten hab ich das Fleisch immer durch Gemüse und kartoffeln ersetzt, was auch immer sehr lecker war.
    In Schottland war das ähnlich: man konnte oft ein Gericht/Sauce wählen und es dann mit Fleisch, Fisch, Gemüse oder Pilzen kombinieren. Fand ich eigentlich recht nett.

    Danke für das Rezept, die Bohnen-Variante werd ich auf jeden Fall mal ausprobieren!

    lg
    iris

  3. Liebe Iris,

    genau so ist es: die Soße und das, was darin schwimmt (Fleisch/Fisch/Hülsenfrüchte/Gemüse) werden bei indischen Gerichten oft getrennt voneinander zubereitet. Deswegen kann man das darin auch so unkompliziert ersetzen! Eine herrliche Erfindung!

    Wünsche viel Spaß beim Ausprobieren und guten Appetit!

    Liebe Grüße,
    Maike

  4. danke für den spannenden Artikel .. ich war neulich mit freunden indisch essen und fand es sehr europäisch ;o(
    und suche nu: welche Gemüse sind landestypisch ???
    und nachdem ich Kurkuma als wurzel zum reiben als köstlich entdeckt habe, würd ich gern wissen gibt es auch asiafotida frisch ???
    in der Hoffnung es gibt keinen doofen fragen freu ich mich auf Antwort und vielleicht noch einen buchtipp
    tschüss
    Karo

    • Hallo Karo,
      Asiafotida habe ich noch nirgendwo zum frisch Reiben gesehen – weder in Indien auf dem Markt, noch hier in Deutschland. Ich kann mir vorstellen, dass es daran liegt, dass der Geschmack sehr stark ist. In der Pulverform ist es immer gestreckt, frisch und pur könnte es zu übertönend sein. Aber solltest du welches finden, sag mir bitte Bescheid!
      Wenn du nach Gemüsearten suchst, die hier bei uns weniger oft verwendet werden, dann muss man als landestypisch Okraschoten nennen, Amarantblätter (die oft statt Spinat verwendet werden und recht bitter sind) und Bockshornkleeblätter.
      Ansonsten werden viel Zwiebeln, Kartoffeln, Karotten, Erbsen, Blumenkohl, Spinat, Auberginen und Tomaten verwendet. Es sind weniger andere Gemüse, die verwendet werden, als dass sich die Zubereitung unterscheidet.
      Im Süden Indiens wird viel mit Kokussnuss gekocht, im Norden mit Mandeln oder anderen Nüssen. Meist schwimmt alles in einer stark gewürzten Soße, dem „Curry“, die im Süden meist schärfer ist als im Norden.
      Zum Einstieg ist z.B. das GU-Kochbücher „Indian basics“ gut geeignet. Achte drauf, dass du am Anfang eine genaue Beschreibung bekommst, WIE indisch gekocht wird, denn darin liegt der Geschmacksunterschied mindestens genau so sehr wie in den Gewürzmischungen.
      Das Buch „Indisch kochen ganz easy“ von Frau Anand hatte ich mir mal aus der Bibliothek geliehen und fand es auch recht gut. Es gibt aber eine unglaubliche Zahl indischer Kochbücher und sicher sind viele davon interessant. Am besten probierst du aus, was dir am besten schmeckt 😉
      Vorsicht bei ayurvedischer Küche, in der wird oft geschmacksärmer und ohne Knoblauch und Chili gekocht, da das in der ayurvedischen Heilkunst als gesünder gilt. Wenn also ein Kochbuch damit wirbt, ayurvedisch zu sein, mag es ebenfalls sehr leckere Rezepte enthalten, die sich eventuell aber von den Erwartungen an die indische Küche unterscheiden. Das muss aber nicht sein. Also unbedingt reinschauen vor dem Kaufen!
      Ich hoffe, meine Kommentare konnten dir helfen und wünsche viel Vergnügen beim Ausprobieren!
      Maike

  5. danke liebe maike für diese ausführliche Antwort! .. und die tipps – inzwischen war ich in der Bücherei hat 4 verschiedene indische Kochbücher hier und kann sie wie einen roman lesen ;o)
    das WIE ist sicher das geheimnis …und das wissen um die Gewürze und die Mischungen. morgen steht ein Ausflug in einen indischen lebensmittellaxen an und dort werde ich auch nach asiafotida suchen was wohl auch z.t aus verschiedenen grundzutaten angezischt wird
    ..selbst bei A…..gibt es verschiedenste sorten auch bio ;o)
    sollte ich ein wurzelstück finden meld ich mich gerne ….
    und mein süppchen aus Zucchini und Tomate mit frisch geriebenem Ingwer und Kurkuma war schon ein bisschen wie ;o)
    und wie es keine deutsche Küche gibt sondern nur die vielen regionalen Spezialitäten ist es sicher auch in diesem grossen land…..
    und so werd ich eben nach indischer art in meinen küche experimentieren ! und vorallem die bohnen und linsen als fleischersatz nicht vergessen!!!
    nochmals danke an alle brummerlohs …gross und klein
    karola

  6. Pingback: Indisch kochen – ZickZackUnikate

  7. Hallo,
    ich kann allen die drei folgenden Bücher ans Herz legen, wobei das letztgenannte auch vegetarische Gerichte aus aller Welt enthält:
    1. Vedische Kochkunst – Die erlesensten Gerichte der vegetarischen Küche Indiens , von Adiraja Dasa
    2. Kochen für Krishna – Die besten Menüs und Gerichte der indisch-aryurvedischen Kochkunst , von Johannes Baumgartner
    3.Der höhere Geschmack – Einführung in die vegetarische Gourmetküche und eine karmafreie Ernährung
    Liebe Grüße, Jennifer

    • Hallo Jennifer,
      die Bücher klingen wirklich sehr gut! Auf unseren Wunschzettel sind die Bücher schonmal gelandet.

      Liebe Grüße

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