Unser Wildkräuterspaziergang – Tipps zu Essen am Wegesrand

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Zu Studienzeiten hatte Sönke an der Uni ein Seminar über Wildkräuter besucht. Seitdem ist er total begeistert von den vielen unscheinbaren Pflanzen am Wegesrand und sieht überall, wo wir Spazierengehen potentielles Essen ;-). Ganz traurig wird Sönke, wenn so genanntes Unkraut wie Löwenzahn, Brennessel, Giersch und Co. von Gärtnern ausgerissen und entsorgt wird. Denn viele Wildkräuter enthalten gegenüber gewöhnlichem Gemüse ein Vielfaches an Vitalstoffen und sind daher sehr gesund.

Wir kennen uns vor allem mit Wildkräutern aus, die wir im Frühjahr ernten können. Um unser Wissen zu erweitern, fanden wir es sehr spannend an einem Wildkräuterspaziergang im Sommer von der VHS Osnabrück teilzunehmen.
Wildkräuterspaziergang im Wald

Tipps für die Pflanzenbestimmung

Begonnen hat der Spaziergang mit einem kurzem Theorieteil, wo es um das richtige Bestimmen der Pflanzen ging. In Pflanzenführern stehen meist ungewöhnliche Begriffe wie z. B. gezahnt und lanzettförmig. An gesammelten Blättern wurde gezeigt, was damit gemeint ist.

Beim Bestimmen ist es wichtig, nicht nur auf ein einziges Blatt zu achten, da eine Pflanze sehr unterschiedliche Blätter haben kann. Deshalb sollte immer die ganze Pflanze betrachtet werden. Ein gutes Bestimmungsbuch ist hier das A und O. Als Standardwerk wurde uns das Buch „Was blüht denn da?“ (Amazon-Link) empfohlen.

In Büchern wird auch auf Verwechslungsgefahren mit giftigen Pflanzen hingewiesen. Oberste Regel: Wo ihr euch nicht sicher seid, ob es wirklich die gesuchte Pflanze ist – stehen lassen! Wer das Sammeln von Wildkräutern beginnen möchte, sollte am besten in kleinen Schritten anfangen. Ein geführter Kräuterspaziergang ist z.B. ein guter Einstieg.

Tipps zum Sammeln

Auch solltet ihr aufpassen, wo ihr sammelt. Ungünstig ist es z.B. an Straßen oder dort, wo Hunde ihre Geschäfte hinterlassen. Außerdem solltet ihr die Ränder von Feldern meiden. Außer ihr wisst sicher, dass es sich um ökologischen Anbau handelt. Auf Grund der versprühten Gifte ist das Sammeln an konventionellen Feldern gefährlich für die Gesundheit.

Beim Sammeln achten wir auch darauf, nur so viel zu sammeln, wie wir benötigen. Wurzeln reißen wir nur raus, wenn wir sie verwenden wollen. Dadurch bleiben die Sammelstellen erhalten.

Noch ein kleiner Hinweis:
Unter Naturschutz stehende Pflanzen dürfen nicht gesammelt werden und in Naturschutzgebieten ist sogar das Sammeln aller Pflanzen grundsätzlich verboten.

Unser Snack: Butter aus Brennesselsamen

Beim Kräuterspaziergang haben wir im Wald einige Pflanzen bestimmt und über ihre Verwendung gesprochen. Besonderes Highlight der Wanderung war die Zubereitung einer Brennessel-Butter aus Brennesselsamen. Das fanden wir sehr spannend, da wir bislang nur die Blätter von Brennesseln z. B. für Kräuterbutter und Wildkräuterquiche verwendet haben.

Butter aus den Samen von Brennesseln

Um die Brennesselsamenbutter herzustellen, werden im ersten Schritt die Samenbüschel von den Brennesseln gepflückt. Aber Vorsicht, auch an den Samenfäden kann man sich verbrennen. Das ist zwar nicht gefährlich, aber wer empfindlich ist, sollte lieber Handschuhe anziehen. Wir wurden beim Kräuterspaziergang das ein oder andere Mal beim Sammeln gepiekt.

Im zweiten Schritt werden die Samen von den Fäden abgestreift. Das ist eine Geduldsarbeit, die sich aber lohnt. Am besten geht es zu zweit. Währenddessen könnt ihr euch prima unterhalten. 😉

Wer sich weniger Arbeit machen möchte, kann die Fäden mit den Samen auch einfach im Mixer oder mit einem Messer in kleine Stücke schneiden. Allerdings sollten die Samenfäden dann möglichst klein geschnitten werden, sonst kann es angeblich passieren, dass sie zwischen den Zähnen hängen bleiben ;-). Die Samen anschließend einfach mit etwas Butter vermischen. Gewaschen werden die Brennesselsamen übrigens nicht. Das würde zu viel Wasser in die Butter bringen.

Brennesselsamen und ihre Verwendung

Sammelzeit für Brennesselsamen ist typischerweise von Juli bis in den Frühherbst. Im Juli sind die Samen noch grün. Später im August werden die Samen langsam dunkler und bekommen einen kräftigeren Geschmack. Die reifen dunklen Samen können in der Sonne oder im Backofen bei 50 Grad getrocknet werden. Danach sollten sie luftdicht gelagert werden. Sie können dann z.B. über Salate, Frischkornbrei, Brote oder Brötchen gestreut werden. Das werden wir auf jeden Fall ausprobieren :-).

Die Brennessel – mehr als ein Unkraut

Die Brennessel ist übrigens nicht nur wegen der Samen eine super Pflanze. Für den Garten kann ein sogenannter Brennesseltee aus den Pflanzenteilen hergestellt werden. Dieser stinkt zwar entsetzlich, ist aber ein hervorragender Dünger. In der Küche könnt ihr die vitalstoffreichen Blätter wie Spinat verwenden. Nach folgender Dokumentation werdet ihr die Brennessel sicherlich mit ganz anderen Augen sehen:

Fazit

Obwohl wir viele Pflanzen schon kannten, hat sich der Kräuterspaziergang sehr gelohnt. Wir haben viele weitere Tipps erhalten und erkennen jetzt noch mehr potentielles Essen am Wegesrand ;-).

Unsere Buchtipps

Falls ihr euch auch für die Verwendungsmöglichkeiten von Wildkräutern interessiert, haben wir noch zwei weitere Buchtipps für euch:

Das Buch „Essbare Wildpflanzen“ (Amazon Link) nehmen wir oft zur Hand um nachzuschlagen, was wir alles Verrücktes mit Wildkräutern machen können.

Gerade hat sich Sönke über das Buch „wild kochen“ (Amazon-Link) zum Geburtstag gefreut. Das Buch ist mit viel Liebe gestaltet und enthält neben einer Menge ungewöhnlicher Rezepte mit Wildkräutern und -früchten viele wunderschöne Bilder, die Lust aufs Nachkochen machen. Einen Eichelkakao werden wir im Herbst auf jeden Fall ausprobieren 😉 (natürlich vollwertig umgewandelt).

Hier ist noch das Rezept für die Butter mit Brennesselsamen:

Brennesselsamen-Butter

1 gute handvoll Brennesselsamen
150 g weiche Butter
etwas Salz

  1. Die Brennesselsamen mit Fingern von ihren Fäden abzuppeln (vorher nicht waschen). Dabei aufpassen, dass ihr euch nicht verbrennt.
    Alternativ: Die Samen samt den Fäden fein hacken.
  2. Die Brennesselsamen mit der Butter vermengen und mit etwas Salz abschmecken.
  3. Durch die Samen bekommt die Butter je nach deren Reifegrad einen frischen bis leicht nussigen Geschmack.

21 Kommentare

  1. Sehr interessant! Und „wild kochen“ steht auch auf meiner Geburtstagswunschliste!! 🙂

    • Vielen Dank! Über Wildkräuter und -früchte werden wir gelegentlich wieder berichten, denn die ganzen spannenden Rezepte aus dem Buch wollen ja ausprobiert werden :-).

  2. Bei mir habt ihr mit diesem Artikel definitiv eine Lanze für die Brennessel gebrochen 🙂

    • Das freut uns :-). In der Brennessel steckt wirklich eine Menge Potential. Schon alleine als gesündere Spinat-Alternative ist sie super in der Küche.

  3. O I would love to do something like that. If even to be able to recognize that ‚weed‘ in my garden. I do have stinging nettle I can recognize that. Never thought of using it for butter though.. Good way to get rid of them!

    • Yeah, it’s a very good idea to eat „weed“ instead of just throwing it away. In the book „wild kochen“ there is the saying „If you can’t beat it – EAT IT“ ;-).

  4. Sehr informativ! Ich hab mich schon lange gefragt, was man mit Brennesseln so machen kann. Wir haben hier ganz viel direkt vor der Haustür, einigermaßen geschützt vor Autoabgasen.
    Die Buchtipps kann ich auch gut gebrauchen! 🙂

    Liebe Grüße,
    Wiebke

  5. Ja jetzt bin ich überfrage, welches Buch sollte man sich denn da kaufen, also auch wo man am besten auch die Pflanzen sieht und erkennt!
    Brennessel Video toll, werde da den Samen mal sammeln, wenn es soweit ist!
    Habt ihr noch Rezepte mit Wild/Wiesenblumen?Wäre klasse!

    • Es gibt so viele schöne Bücher. Es kommt darauf an, für was du das Buch verwenden möchtest:

      Ein sehr schönes Bestimmungsbuch ist „Essbare Wildpflanzen“.

      Wenn du mehr an Verwendungsmöglichkeiten interessiert bist, ist „wild kochen“ super. Dieses Buch enthält aber nicht unbedingt vollwertige Rezepte, d. h. du musst diese erst vollwertig umwandeln.

      Ausschließlich vollwertige Rezepte gibt es in „Wilde Köstlichkeiten“ (aber nicht unbedingt tiereiweißfrei). Zudem enthält das Buch eine schöne Übersicht der gängigen Wildkräuter mit Erkennungsmerkmalen, Verwechslungsgefahren, Heilwirkung, Inhaltsstoffen, Standort, verwendete Pflanzenteile usw. Es wird viel mit Blüten zubereitet und die Bilder sind wunderschön. Allerdings ist das Buch ein wenig schwer, um es bei Wanderungen mitzunehmen ;-).

      Wir peppen gerne einfach unsere Salate mit essbaren Blüten und Wildkräutern auf. Auch unsere bunte Kräuterbutter kannst du super gut mit Blüten und Wildkräutern herstellen.

      Wir wollen dieses Jahr auf jeden Fall noch weitere Wildkräuter Rezepte veröffentlichen :-).

      • Danke euch für die nette ausführliche Antwort , werde mal schauen nach einem Buch !Freue mich auf Rezepte!
        Gestern war ich mit den Hunden unterwegs hatte Taubnessel und Brombeerblätter die habe ich in den Salat gemacht,genial!War klasse gewesen!

        Heute morgen hatte ich ne halbe ausgedrückte Zitrone ein Stück Apfel,Brombeerblätter und getrocknete Pfefferminze das aufgekocht etwas Honig dazu und schwupidiwups war das ein Tee .War toll!
        Ja man muss nicht alles wegwerfen man kann es immer noch irgendwie nutzen!

        LG GERTI

        • Huhu.-) so habe mir das Buch gekauft ***Essbare Wildpflanzen*** aus dem AT Verlag, super tolles Buch kann ich nur empfehlen.Einige Heilpflanzenbücher habe ich ja, da muss ich sagen ,die Bilder der Pflanzen kann man nicht so gut zuordnen.
          In dem Buch ***Essbare Wildpflanzen*** sind die Bilder sowas von toll,das man sie leicht zuordnen kann.Danke euch Melanie und Sönke für den tollen Tipp, denke das Buch werde ich jetzt bei Wanderungen immer dabei haben!
          Ein schönes Wochenende euch und allen anderen auch LG GERTI

  6. Kräuter und eßbare Pflanzen sammeln ist auch mein Hobby!
    Ich freue mich immer über interessante Beiträge.
    Für unterwegs Bücher mitschleppen ist immer schwierig. Oft sehe ich eine Pflanze beim Spaziergang und habe natürlich dann kein Buch dabei.
    Mein Hatndy aber, und da habe ich eine App die für meinen Wissensdurst toll ist:
    IPan Kräuter !!!Wildkräuter bestimmen und kennenlernen.
    Toll dabei ist das die Pflanzen unter: Bestimmen, schon gewußt, Wildkräuterküche undNaturheilkunde beschrieben ist.
    Und Fragen kann man auch per Mail senden!!!
    Einen lieben Gruß an alle Wildpflanzenesser

  7. Oh das mit den Brennesselsamen ist eine super Idee. Die erkenne ich hoffentlich auch ohne Buch 😉 Muss gleich mal Google befragen, was man damit sonst noch machen kann.
    Was ist denn das, was Sönke auf dem Bild bestimmt? Das habe ich heute im Wald auch gesehen.

  8. Hallo zusammen,
    Hab mir extra im Garten ein Brennesel Beet angelegt
    Wenn sie im Sommer zu hoch wird schneide ich die Brennesel stark zurück so kommen wieder junge Trifbe.
    Meine Frege
    Kann ich dann die Brennesel dann den ganzen Sommer bis zum Herbst essen oder nur im Frühjahr ?

    • Hallo Beate,
      unseres Wissens kannst du Brennnesseln von Frühling bis Herbst ernten und essen. Es kann nur sein, dass die Blätter später im Jahr etwas zäher sind oder das die Blätter von Insekten angefressen werden.

      Liebe Grüße

  9. Hallo Melanie,hallo Sönke
    Vielen Dank für eure Antwort

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