Was ist eine vollwertige Ernährung und vitalstoffreiche Vollwertkost?

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(Hinweis: Dieser Artikel ist Bestandteil unserer Grundlagenserie zur vitalstoffreichen Vollwertkost).

In unserem Blog tauchen oft die Begriffe „vollwertig“ und „Vitalstoffe“ auf. Aber was ist mit diesen Begriffen eigentlich gemeint? Wann ist ein Essen vollwertig und wann nicht?

Das Entscheidende: Vollwertkost ist keine kurzfristige Diät, sondern eine Ernährungsumstellung, um von den heute üblichen hochverarbeiteten Nahrungsmittel wegzukommen und stattdessen wieder möglichst naturbelassene und frische Lebensmittel zu essen. Das Wort „vollwert“ leitet sich von “vollem Wert” ab. Damit wird angedeutet, dass vollwertige Lebensmittel noch ihren ursprünglichen vollen Wert haben.

Was sind natürliche Nahrungsmittel?

Albert Haller erklärt in seinem Buch „Gefährdete Menschheit“ (Amazon-Link) (10. Auflage auf S. 89) sehr anschaulich, was unter natürlichen Nahrungsmitteln zu verstehen ist:

„Wenn wir von natürlichen Nahrungsmitteln sprechen, so sind damit Nahrungsmittel gemeint, die noch alle Stoffe enthalten, die die Natur ihnen mitgegeben hat, und die auch durch das Hinzufügen nahrungsfremder Substanzen nicht verändert sind. So ist Vollreis ein natürliches Nahrungsmittel, während man das von polierten Reis nicht sagen kann. Rohe Milch unterscheidet sich von Kondensmilch, frischer Fisch von chemisch behandelten Marinaden, frisches Obst von solchem, das einen Prozess mit Schwefelsäure und anderen Chemikalien über sich hat ergehen lassen müssen. Hier haben wir also eine ganz eindeutige Definition, was man unter „natürlicher“ Nahrung im Gegensatz zu denaturierten, raffinierten, gefärbten, chemisch konservierten und sonst in ihrem Bestand veränderten Lebensmitteln verstehen muß.“

Auch wenn ein Schwerpunkt auf Pflanzen gelegt wird, so bedeutet eine Vollwerternährung nicht automatisch vegetarisch (oder vegan) zu essen, vielmehr kommt es auf die Naturbelassenheit der Zutaten an. Dagmara bringt dies in ihren Blog sehr schön auf den Punkt:

„Keine Fertig- und Convienienceprodukte, keine Zusatzstoffe, keine fabrikatorisch verarbeiteten Nahrungsmittel, nichts was auch nur annähernd durch Soja oder Nahrungsergänzung ergänzt werden müsste oder einer Wiederbelebung bedarf!“

Vitalstoffreiche Vollwertkost

Die vitalstoffreiche Vollwertkost ist eine Form der Vollwerternährung, die auf den Arzt Dr. Max-Otto Bruker (1909-2001) zurückgeht. Auf Basis wissenschaftlicher Studien und eigener klinischer Beobachtungen kam er zu der Erkenntnis, dass viele Krankheiten durch einen jahrzehntelangen Mangel an „Vitalstoffen“ entstehen. Deshalb empfahl er eine Kost, die reich an Vitalstoffen ist. Dabei gilt die einfache Faustregel: Je unverarbeiteter die Nahrung ist, desto mehr Vitalstoffe sind noch enthalten.

In seinem Buch „Unsere Nahrung, unser Schicksal“ (Amazon-Link) (30. Auflage, S. 133) schreibt er:

„Je intensiver die künstlichen Eingriffe in das natürliche Gefüge eines ursprünglichen Lebensmittels sind, umso größer ist die Gefahr, daß die Vitalstoffe dabei entfernt, zerstört, geschädigt oder in ihrem natürlichen Verhältnis zueinander verändert werden.“

Unter dem Begriff Vitalstoffe fasste Dr. Bruker alle biologischen Wirkstoffe zusammen, die für unseren Körper lebensnotwendig sind:

  • Vitamine
  • Mineralstoffe
  • Spurenelemente
  • Enzyme
  • Faser- bzw. Ballaststoffe
  • Aromastoffe
  • ungesättigte Fettsäuren

Lasst die Nahrung so natürlich wie möglich

Leitsatz der vitalstoffreichen Vollwertkost ist die Empfehlung des Ernährungsforschers Prof. Kollath (1892-1970): „Lasst die Nahrung so natürlich wie möglich.“ Dieser Satz fasst die erwähnte Problematik zusammen, dass mit zunehmender Verarbeitung immer mehr Vitalstoffe verloren gehen. Was alles beim Erhitzen, Extrahieren und anderen Verarbeitungsschritten verloren geht und welche Auswirkungen das auf unsere Gesundheit hat, ist aus mehreren Gründen im Detail nicht zu sagen.

Zum einen sind sicherlich noch nicht alle biologischen Wirkstoffe identifiziert, die in naturbelassenen Nahrungsmitteln enthalten sind. Schon eine Empfehlung für alle entdeckten Stoffe zu geben, wäre zu umfangreich und wenig praxistauglich. Wer versuchen würde, täglich in langen Listen alle aufgenommenen Vitalstoffe aufzuaddieren, würde scheitern. Denn es ist im Alltag gar nicht messbar, wie viele Vitalstoffe wir tatsächlich mit der Nahrung aufgenommen haben. Selbst ein Abschätzen ist schwierig, weil der Vitalstoffgehalt unserer Nahrung sicherlich immer schwankt. Dazu kommt noch, dass unser Körper je nach körperlicher und geistiger Beanspruchung unterschiedliche Vitalstoffmengen benötigt.

Zum anderen ist der Wirkmechanismus vieler Vitalstoffe und deren Zusammenspiel in unserem Körper nicht ausreichend erforscht. Erst das richtige Mengenverhältnis zwischen Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Enzymen usw. sorgt dafür dass unser Körper diese optimal nutzen kann. Dieses komplexe Ineinandergreifen macht die wissenschaftliche Erforschung sehr schwierig. Der Ernährungswissenschaftler T. Colin Campbell schreibt dazu in seinem Buch „China Study“ (Amazon-Link) (S. 244)

„Es [hier: der Verdauungsprozess] ist ein unendlich komplexer Vorgang und völlig unmöglich, ganz genau zu verstehen, wie jedes dieser chemischen Bestandteile jeweils mit den anderen interagiert. Wir werden nie herausfinden, wie alles miteinander zusammenspielt.“

Frische naturbelassene Lebensmittel enthalten ein ausgewogenes und ideales Verhältnis der vielen Vitalstoffe, die unserem Körper helfen diese Lebensmittel optimal zu verstoffwechseln. Stark verarbeiteten Nahrungsmitteln wie Fabrikzuckern und Auszugsmehlen fehlen diese natürlichen Begleitstoffe. Um die Inhaltsstoffe dieser Nahrungsmittel verwerten zu können, muss unser Körper daher seine Reserven in Anspruch nehmen. Diese Reserven können bei einer durchgängig denaturierten Nahrung allerdings nicht wieder aufgefrischt werden. Dadurch kommt es zu einem chronischen Vitalstoffmangel, der sich in unserer Gesundheit wiederspiegelt und je nach Konstitution zu diversen ernährungsbedingten Krankheiten führen kann. Das Tückische dabei ist, dass laut Dr. Bruker viele ernährungsbedingte Krankheiten erst nach Jahren oder Jahrzehnten deutlich zum Vorschein kommen und dann als altersbedingte Krankheiten bezeichnet werden, für die das Alter fälschlicherweise als Ursache angenommen wird.

Wie soll ich mich nun ernähren?

Dr. Bruker gab konkrete Ernährungsempfehlungen, um im Alltag abwechslungsreich essen und damit eine große Bandbreite von Vitalstoffen aufnehmen zu können. Diese wollen wir im nächsten Grundlagenartikel zur Vollwerternährung genauer vorstellen.

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2 Kommentare

  1. Kann man Spargel auch roh essen? Oder gibt es überhaupt ein Gemüse, dass nicht roh verzehrt werden kann?

    • Ja, Spargel lässt sich auch roh essen. Ist aber nicht jedermanns Geschmack, da vor allem weißer Spargel recht faserig ist. Sönke mag rohen grünen Spargel ganz gerne, Melanie nicht.

      Wir würden keine rohen Kartoffeln essen, da diese roh nicht besonders lecker sind. Auch Auberginen kochen bzw. backen wir lieber.

      Das einzige was wirklich nicht roh gegessen werden sollte, sind Bohnen und Linsen, wozu auch grüne Bohnen zählen. Diese Hülsenfrüchte enthalten u.a. Phasin das zu Vergiftungserscheinungen führen kann.

      Als Sprossen können Linsen, Mungobohnen und Adzukibohnen aber doch roh gegessen werden. Dann haben sich die problematischen Stoffe abgebaut. Bei größeren Hülsenfrüchten reicht das Sprossen allerdings nicht.

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