Wir in Goa (Indien) – Teil 2: Ausflüge, Märkte und Gewürze

| 6 Kommentare

Mitte November flogen wir zur Hochzeit von Sönkes Schwester nach Goa. Bereits hier im kleinsten Bundesstaat Indiens gab es so viel zu bestaunen und zu entdecken, dass wir unsere drei Wochen in Indien ausschließlich in Goa verbrachten. Direkt an der Küste locken nächtliche Märkte die Touristen. Auch die Hauptstadt von Goa Panjim lohnt sich für einen Besuch. Weiter im Landesinneren bietet Goa viele Attraktionen für Naturliebhaber wie beeindruckende Wasserfälle, Gewürzgärten und Vogelbeobachtungstouren.

Saturday Night Markets

Eine berühmte Touristenattraktion an der Küste in Nord-Goa sind die Saturday Night Markets. Wer auf der Suche nach Souvenirs ist, wird hier bestimmt fündig. Händler bieten bunte Tücher, geschnitzte Figuren, exotische Gewürze, indische Schwarztees, Schmuck und vieles mehr. Bands spielen Live-Musik und im Food Court gibt es zahlreiche Essensangebote.
Mackie’s Saturday night bazaar

Zu Beginn unseres Aufenthalts haben wir uns gefragt, wieso die Märkte nachts und nicht tagsüber sind. Aber wir merkten schnell, dass die Temperaturen nachts einfach viel angenehmer sind als am heißen Tag. Gegründet wurde der erste sogenannte „Saturday Night Market“ von den Hippies, angeblich um Geld zu verdienen, wenn sie knapp bei Kasse waren… Der frühere Flohmarkt wird auch heute noch von einem Deutschen Namens Ingo organisiert und soll nach wie vor der Beste sein. Leider war „Ingo’s Saturday night market“ am Rand von Anjuna diese Saison noch nicht gestartet. Stattdessen waren wir bei „Mackie’s Saturday night bazaar“ in Baga, dem angeblich zweitbesten Saturday Night Market. Es herrschte zwar ganz schön viel Gedränge, aber es war auch faszinierend das Gewusel aus Einheimischen und Touristen zu erleben.

Hauptstadt Panjim

Goas Hauptstadt ist Panjim bzw. Panaji. Durch den portugiesischen Einfluss ist Panjim eine angenehme Stadt mit Parks und einer breiten Promenade am Fluss. Was ebenfalls auffällt ist, dass weniger Müll als an der Küste herumliegt. Mit seinen 60.000 Einwohner ist es auch keine Mega-City, sondern eher von der Größe einer deutschen Kleinstadt. Die bedeutenste Sehenswürdigkeit ist die barocke Kirche „Our Lady of the Immaculate Conception“.
Our Lady of the Immaculate Conception Church in Panjim
Am Spannendsten fanden wir aber den Besuch eines riesigen Marktes mitten im Stadtzentrum, der zum Teil fest in einem Gebäude untergebracht war. Die Stände sind hier thematisch in verschiedene Abteilungen sortiert z. B. nach Obst & Gemüse, Blumen, Tüchern usw. Besonders beeindruckt waren wir vom kunstvoll aufgetürmten, vielfältigen Obst- und Gemüseangebot.
Markt in Panjim
Für Filmfans findet jährlich im November das große „International Film Festival of India“ (iffi) statt. Dieses Jahr lief sogar der deutschsprachige, sehr empfehlenswerte Film “More than honey” über die faszinierende Welt der Biene, den wir kurz vor unserer Abreise in Deutschland gesehen hatten.
43. International Film Festival of India

Wasserfälle

Ganz im Osten, am Rand von Goa mitten im Urwald, gibt es die berühmten Dudhsagar Wasserfälle. Dort hinzugelangen, war schon ein Abenteuer für sich. Denn unser Taxifahrer hatte die schlimmste Fahrweise von allen Taxifahrern, mit denen wir gefahren sind. Auf der 1,5 stündigen Fahrt ist er gerast, hat erst im letzten Moment direkt vor den Speed Brakern auf Schrittgeschwindigkeit runtergebremst und am liebsten in nicht einsehbaren Kurven ganz nach Bauchgefühl überholt. Gurte zum Anschnallen gab es (im Gegensatz zu allen anderen Taxis) natürlich auch nicht. Wir fühlten uns ein wenig wie in der Achterbahn.
Dudhsagar Wasserfälle
In einem kleinen Dorf wechselten wir vom Taxi in einen Jeep – zum Glück mit neuem Fahrer. Nach der wildesten Autofahrt unseres Lebens folgte gleich darauf die holprigste Fahrt. Denn mit dem Jeep ging es über eine einspurige Straße durch den Urwald. Baumwurzeln und Geröll auf der Urwald-Straße sorgten bei bis zu 50 km/h für eine gute “Massage”. Für Personen mit Rückenschmerzen oder Bandscheibenproblemen ist die Fahrt aber definitiv nicht geeignet. Am Anfang haben wir uns gewundert, wieso der Fahrer empfahl, keine Taschen auf den Boden zu stellen – bis wir dann zum ersten Mal mit dem Jeep einen Fluss durchquerten. Als Wasser in den Jeep strömte, haben wir lieber auch unsere Füße hochgenommen ;-).
Jeeps
Kurz vor den Wasserfällen wurde der Jeep geparkt und wir legten die letzten 10 Minuten zu Fuß zurück. Auf dem steinigen Weg zum Wasserfall lungerten einige Affen am Wegesrand, die auf Leckeres von den Touristen lauerten. Sie bettelten aber nicht, sondern griffen nur zu, wenn ihnen was angeboten wurde. Im Dorf vorher gab es extra Tüten mit Snacks (Bananen, Kekse und Cracker) für die Affen zu kaufen, aber eigentlich war das Füttern verboten.
Affenfütterung eigentlich verboten
Der Wasserfall war wirklich beeindruckend. Das herabstürzende Wasser sammelte sich in einem Wasserbecken, indem ganz Unerschrockene im kalten Wasser schwimmen konnten. Wir haben lieber nur unsere Füße hineingehalten und Fotos gemacht. Viel Zeit war auch nicht, denn ein Aufenthalt am Wasserfall ist leider auf eine Stunde begrenzt. Eine ruhige Naturidylle war es auch nicht gerade, da recht viele Touristen mit den Jeeps zu den Wasserfällen gebracht wurden. Für die abenteuerliche Fahrt durch den Urwald mit dem Jeep und die vielen Affen hat sich der Ausflug aber auf jeden Fall gelohnt.

Spice Farms

Im Landesinneren von Goa gibt es einige Gewürzgärten, sogenannte „Spice Farms“ zu besichtigen. Daher nutzten wir unseren Aufenthalt bei den Wasserfällen, um auf dem Rückweg die Sahakari Spice Farm zu besuchen. Zur Begrüßung sorgte ein Becher Zitronengrastee für die notwendige Erfrischung vor der Führung. Im Eintritt war auch ein hauptsächlich vegetarisches und gut gewürztes Buffet mit indischen Gerichten inklusive, das unser Mittag wurde. Wer wollte, konnte sich dazu ein Gläschen Feni genehmigen – einem lokalen Schnaps aus Cashewfrüchten. (Verwendet werden die in Deutschland unbekannten Früchte des Cashewbaums, nicht die Cashewkerne, die an den Cashewfrüchten wachsen.)
Buffet SpiceFarm
Auf einer geführten Tour wurden uns verschiedene, für Indien typische Gewürzpflanzen gezeigt. Neben ihrer Verwendung in der Küche, erfuhren wir auch etwas über ihre Heileigenschaften. Wusstet ihr z.B. dass das stark gelbfärbende Kurkuma desinfizierend wirkt und deshalb als Pulver auf Wunden gegeben werden kann? Nach kurzer Zeit bildet sich ein dicker schützender Grind. Ein paar Tage später konnten wir das gleich mit Erfolg praktisch ausprobieren, als sich Sönke beim Öffnen einer Kokosnuss geschnitten hatte…
Spice Farm
Im Gewürzgarten spazieren zu gehen, fanden wir sehr spannend. Es ist schon was anderes, Vanille, Kakaobohnen, Kurkuma, Muskatnuss, Nelke, Zimt und Co. direkt wachsen zu sehen :-). Auch eine große schwarze Witwe entdeckten wir zwischen den Ästen. Leider war die Führung gefühlt etwas zu kurz. Nach unserem Geschmack hätte sie ruhig länger sein können.
Nach der Führung konnten wir an einem Abkühlungsritual teilnehmen, bei dem einem mit einer Kelle etwas Wasser in den Nacken gegossen wurde. Melanie hat sich vorsichtshalber davor gedrückt und lieber ein paar Fotos geschossen. Das Wasser erfrischte wirklich wunderbar, allerdings lief es auch bis in die Hose, was ein wenig unangenehm war. Aber zum Glück war es schön warm, so dass die Kleidung schnell wieder trocknete.
Abkühlungsritual
Auch der Einkauf kam im Gewürzgarten nicht zu kurz: Beim Gewürzladen im Garten deckten wir uns mit den dort angebauten Gewürzen, Chilis und äußerst leckeren Cashewnüssen ein.

Bird Watching Tour

Viel Spaß gemacht, hat uns die „Bird Watching Tour“ von Rahul, an der wir zusammen mit Sönkes Eltern teilnahmen. Um 6:45 Uhr am Morgen ging die Fahrt aus Candolim bereits los, denn die spannendsten Vögel sind besonders morgens aktiv. Zunächst fuhren wir in ein Waldgebiet im Norden von Goa. Dort gab Rahul jedem ein Fernglas und eine kurze Einweisung in dessen Bedienung. Ohne Fernglas hätten wir auch kaum eine Chance gehabt die scheuen Vögel zu bewundern. Einige entdeckten wir sogar erst nach Hinweis von Rahul im Geäst der Bäume.
Bird Watching
Kurze Zeit nach unserer Ankunft im Waldgebiet kam eine Gruppe professioneller Bird Watcher vorbei, die besonders gute Fernrohre auf Stativen dabei hatten. Es war interessant zu beobachten, wie sie jede Entdeckung akkurat in ihre Notizbücher eintrugen ;-).
"Professionelle" Bird Watcher
Das Fotografieren der Vögel war sehr schwierig, da unser 300 mm Objektiv nicht ausreichend Zoom hatte und sich manche Vögel zu schnell bewegt haben. Aber Sönke wusste sich zu helfen. Einen “Black Hooded Oriole” fotografierte er einfach durch das Fernrohr eines der professionellen Bird Watcher ;-). Unser Tourguide Rahul hatte die bessere Ausrüstung dabei. Mit seinem riesigen Objektiv (ein 400 mm Festbrennweiten-Tele-Objektiv), konnte Rahul die Vögel fantastisch erfassen. Auf seiner Website könnt ihr einige seiner beeindruckenden Aufnahmen von Vögeln, Insekten und Reptilien sehen.
Black Hooded Oriole und professionelle Foto-Ausrüstung
Nach einem kleinen Frühstück ging es wieder in Richtung Candolim. Auf dem Rückweg steuerten wir noch einige Gewässer an, wo wir u.a. schwarze Störche, Reiher, Eisvögel, Adler und Wasserbüffel beobachten konnten.
Wasserbüffel und Co.
Nach ca. fünf Stunden waren wir wieder zurück an unserer Wohnung. Das wurde auch Zeit, denn so langsam wurde es in unseren langen Hosen ein wenig wärmer. Abgesehen von Moskito-Attacken am frühen Morgen hat sich der Ausflug sehr gelohnt. So einen Einblick in die Tier- und insbesondere Vogelwelt Goas hätten wir sonst nicht bekommen.
Noch eine kleine Warnung: Wer früh morgens ins Grüne fährt, sollte sich auf Moskitos vorbereiten. Eine lange Hose und ein langes T-Shirt bzw. Hemd sind hilfreich gegen Stiche. Leider hatten wir unsere homöopathische Anti-Mücken-Creme vergessen. So freuten sich die Moskitos und Melanie bekam gleich zu Beginn einen fiesen Stich direkt auf die Stirn ab, der extrem anschwoll.

Weitere Attraktionen

Es gibt noch einiges mehr in Goa zu entdecken: Das in der Nähe der Strände gelegene Mapusa in Nord-Goa ist bekannt für seinen großen Markt am Freitag. Wobei uns auch die kleinere Variante an den übrigen Tagen der Woche schon groß genug war. Liebhaber alter Kirchen werden in der Stadt „Old Goa“ fündig. An der Küste gibt es einige schöne Aussichtspunkte, wie das südlich von Candolim gelegene Fort Aguada. Die von den Portugiesen errichtete Festung, lockt viele Touristen an und bietet einen wunderbaren Blick aufs Meer. Und wer es ruhiger mag, kann sich im nicht so touristischen Süd-Goa direkt in einer romantischen Kokosnusshütte direkt am Strand einquartieren.
Markt in Mapusa

Ausblick

Nach unserem Kulturschock sowie unseren Abenteuern in Stadt und Urwald, dreht sich im nächsten Blogpost alles um unsere kulinarischen Abenteuer in Goa.

Print Friendly, PDF & Email

6 Kommentare

  1. Wieder ein toller informativer Post, den ich grad mit gleicher Begeisterung verschlungen habe, wie schon euren anderen Beitrag über eure Indienreise!! Ich freue mich schon auf die Fortsetzung, liebe Grüße, Eva

  2. Schoen dass Euch Goa gefallen hat. Aber Goa ist nicht „Indien“ – Schaut Euch mal den Norden oder Sueden an.
    Ciao, Carina –
    Frohe Weihnachten und ein gutes Neues Jahr.

    • Hi Carina, Goa ist zwar Teil von Indien, aber es ist uns bewusst, dass das übrige Indien nochmal eine ganz andere Erfahrung sein muss. Daher haben wir Goa auch als Indien „light“ im ersten Teil unseres Reiseberichts bezeichnet. Nord- und Südindien zu bereisen, wäre bestimmt sehr interessant. Kannst du uns Tipps geben, welche Orte oder Regionen wir besuchen sollten?

      Wir wünschen dir ebenfalls ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr.

  3. So ein ausführlicher Bericht… fast wie ein Kurzurlaub für mich 🙂 Danke auch für die Karte. Frohe Weihnachten euch und alles Gute für 2013!!!

    • Gern geschehen :-). Vielleicht schaffen wir es ja noch vor Weihnachten den dritten Teil unseres Reiseberichts zu veröffentlichen. Wir wünschen dir ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.